Gedanken zum Wissensmanagement

Mit dem Thema Wissensmanagement hat jeder zu tun, der sich mit der Ausbildung und Aneignung von neuem Wissen beschäftigt. Spätestens mit dem Beginn eines Studiums drängt sich deshalb die Frage auf, wie die Vielzahl an Informationen derart organisiert werden kann, dass man sie möglichst lange und unkompliziert abrufbar hat. Angesichts der technischen Möglichkeiten ist zu prüfen, inwiefern es dazu nicht sinnvollere Methoden gibt, als die erstellten Notizen und Exzerpte in einem physischen oder digitalen Ordner abzulegen.

Das Managen von Wissen ist immer einer grundlegenden Problematik ausgesetzt: Wie kann man sicherstellen, dass die Kosten die zur Pflege der Informationsbestände nötig sind (in Form von Zeit, Software, etc.), durch positive Effekte wie sinkende Suchkosten, höhere Arbeitseffektivität und Kreativität aufgewogen werden? Dies ist keine einfache Frage. Das Organisieren und Pflegen von Informationen findet, sofern es sinnvoll sein soll, nach festen Regeln statt. Diese lassen sich im Verlauf der Nutzung kaum nachjustieren, da die vorherige Ordnung ansonsten obsolet bzw. beträchtliche Arbeit zur Anpassung der alten Daten erforderlich werden würde. Als erste Erkenntnis kann festgehalten werden, dass die Struktur der Wissensorganisation möglichst flexibel sein sollte, ohne in Willkür (und somit Chaos) umzuschlagen.

Eine weitere wichtige Eigenschaft eines geeigneten Wissensmanagements ist die Möglichkeit, durch die Neukombination bekannter Informationen neues Wissen im Auge des Betrachters zu erzeugen. Im besten Fall stellt ein System also nicht nur bekannte Informationen zur Verfügung (was durch das Internet ja sowieso schon fast in 90% der Fälle gegeben ist), sondern bietet neue Sinnzusammenhänge an, die den Nutzer in seinem Kreativitätsprozess unterstützen.

Schließlich sollte das Wissensmanagement auch eine gesunde Tendenz zum Vergessen haben. Wie in der aktuellen brand eins (Ausgabe 11/2010) schön im Beitrag von Harald Willenbrock dargelegt wird, hat man mit einem stetig wachsenden Informationsbestand, auf deren Inhalte man in gleicher Weise Zugriff hat, wenig gewonnen. Die Selektion relevanter Informationen wird wieder an den Benutzer zurückgegeben, der irgendwann im Angesicht der endlosen Daten überfordert sein wird.

All diesen Anforderungen will ein Zettelkastensystem, wie es Niklas Luhmann verwendet hat, gerecht werden. In einem solchen System werden Informationen auf einzelne Zettel geschrieben und anschließend mit einer Laufnummer und mehreren Schlagworten versehen. Durch diese einfache Regelung bleibt das System zwar maximal flexibel, scheint aber zunächst keine innere Ordnung zu haben. Dieser erste Eindruck täuscht jedoch, da eine Ordnung allmählich durch sich immer neu knüpfende Sinnrelationen zwischen Zetteln in einer doppelt positiven Weise entsteht. Einerseits werden Zettel durch gleiche Schlagworte miteinander verknüpft, ohne dass dies beabsichtigt wurde (Kreativitätspotenzial). Andererseits geraten Zettel, die keine weiteren Anknüpfungspunkte erhalten, in Vergessenheit (was heißt, dass sie nicht so leicht auffindbar sind, wie andere, besser verknüpfte Zettel).

Als geeigneten digitalen Zettelkasten für den Eigengebrauch kann ich das Programm von Daniel Lüdecke wärmstens empfehlen. Es hat sich im Vergleich zu anderen Programm (die meist vorgeben ein Zettelkasten zu sein, aber tatsächlich nur ein Wiki, Dateimanager oder ähnliches sind) am besten bewährt. In einem meiner nächsten Blogeinträge werde ich näher auf das Arbeiten mit einem Zettelkasten eingehen und versuchen die Ausgangsfrage über Kosten und Nutzen des persönlichen Wissensmanagements zu beantworten.

Zusammenfassung:

  • Das Thema Wissensmanagement ist für jeden Studenten relevant.
  • Dabei stellt sich die Frage, ob Investitionen in ein Wissensmanagementsystem durch positive Effekte desselben aufgewogen werden können.
  • Ein geeignetes Wissensmanagementsystem muss flexibel, kreativitätsfördernd und vergesslich sein.
  • All diesen Kriterien genügt ein Zettelkastensystem nach Niklas Luhmann.

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3 thoughts on “Gedanken zum Wissensmanagement

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