Das Wikipedia-Universum von Daniela Pscheida

Dieses Buch ist ein absoluter Glücksfall für alle, die an den Themen ‚Wissensgesellschaft‘, ‚soziokultureller Wandel durch neue Medien‘, sowie ‚Digitales Zeitalter‘ interessiert sind. Denn obwohl es sich bei dem Buch um eine wissenschaftliche Ausarbeitung handelt, ist es sehr flüssig zu lesen und überaus verständlich. Die Autorin formuliert klar und präzise, streut an den richtigen Stellen Zitate der Grundlagenwerke ein und verknüpft die verschiedenen Abschnitte sehr gekonnt, sodass der rote Faden nie verloren geht.

Das Anliegen der Autorin (deskriptiv nachzuzeichnen, „wie das Internet unsere Wissenskultur verändert“) ist nicht ohne eine ausführliche Darstellung des Ist-Zustandes zu stemmen. Dementsprechend widmet sie sich sehr ausführlich der Frage, wie unsere bisherige Wissenskultur seit der Erfindung des Buchdrucks entstanden ist und in welcher Form der Wissensgesellschaft wir momentan leben.
Das Wikipedia-Universum (in Anlehnung an Marshall McLuhans Ausdruck der Gutenberg-Galaxis) ist in sieben Kapitel unterteilt, deren Inhalt ich im Folgenden mit Fragen knapp umreißen will:

  • Zum Verhältnis von Wissen, Medien und Wissenskultur: Was ist Wissen? Wie kommt gesellschaftlich relevantes Wissen zustande? Welchen Einfluss haben die Medien (und im Speziellen die Neuen Medien) auf Wissen? Wie lässt sich gesellschaftlich relevantes Wissen und Wissenskultur analysieren?
  • Das Wissensmodell der typographischen Ära: Was ist unter einer Enzyklopädie zu verstehen und welche kulturgeschichtliche Bedeutung hat sie? Welche Institutionen der Wissensgesellschaft wurden durch den Buchdruck angestoßen und welche kulturellen Prozesse haben diese verfestigt? Welche Weltanschauung hat sich dadurch etabliert?
  • Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen am Beginn des 21. Jahrhunderts: Durch was ist die Moderne in der wir heute leben geprägt? Woher kommt das Konzept der Wissensgesellschaft und was ist der aktuelle Stand der Forschung? Wie wandelt sich das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit? Vor welchen logischen Herausforderungen steht die Wissensgesellschaft?
  • Das Internet als Leitmedium der Wissensgesellschaft: Wie ist das Internet entstanden und wie hat es sich verbreitet? Was ist mit Web 2.0 gemeint und warum hat es so ein revolutionäres Potential? Findet im Internet eine Demokratisierung des Wissens statt?
  • Das Beispiel Wikipedia – eine Analyse: Was wurde bisher an Wikipedia erforscht? Wie ist die Wikipedia organisiert und nach welchen Aktionsmustern lässt sie sich strukturieren? Welches Selbstverständnis hat Wikipedia bzw. welche Weltanschauung steht hinter ihrer Idee?
  • Die Wissenskultur des digitalen Zeitalters: Durch welche Prozesse ist unsere aktuelle Wissenskultur geprägt? Welche neue Definition von Wissen scheint sich abzuzeichnen? Wie ist Wikipedia in diese Entwicklungen einzuordnen?
  • Wissenskultureller Wandel als Option – Bestandsaufnahme und Ausblick

Am Ende bleibt der Autorin nichts anderes übrig, als nochmal zu rekapitulieren und mögliche Veränderungen zu skizzieren – eine klare Antwort wird also auf die Ausgangsfrage nicht gegeben. Aber gerade dies kommt den Ausführungen insgesamt nur zugute, da es so dem Leser überlassen ist, zu entscheiden in welche Richtung es gehen sollte. Hintergrundwissen für eine solche Entscheidung hat er nach der Lektüre von Daniela Pscheidas Buch allemal.

Verwandte Einträge

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *