Kommunikationskanäle planen und steuern

Die Unternehmensleitung steht vor 2.000 Aktionären und präsentiert die Jahreszahlen. Auf einer Serviette wird ein Gewinnspiel beworben. Ein Pop-up öffnet sich und fragt, ob man Hilfe bei der Kaufentscheidung braucht und in einen Chat mit einem Verkäufer weitergeleitet werden will. Ein Mitarbeiter trägt eine goldene Anstecknadel die er für seinen letzten Vertragsabschluss bekommen hat. In der Mitarbeiterkantine ist das Essen so gut und günstig wie in den wenigsten Unternehmen. Auf einer Strichliste am schwarzen Brett wird erfasst, wer wie viele Kaffee getrunken hat. Der neue Mitarbeiter aus Südkorea wird durch ein Mentoring-Programm in die Betriebsabläufe eingebunden.

All diesen Beispielen ist gemein, dass sie Ergebnis eines strategischen Communication Managements sein können. Da die strategische Kommunikationsplanung nicht nur einen standardisierten Informationsfluss steuert, sondern insbesondere auch die informelle Kommunikation auf dem Schirm haben sollte, sind Kommunikationskanäle sehr weit zu fassen. Nicht nur nach Marshall McLuhans Aussage „The Medium is the Message“, sondern auch nach Whites Netzwerktheorie ist jedes Objekt als ein Botschaftsträger im Wechselspiel der Subjekt-Objekt-Interaktionen zu verstehen. Was bedeutet dies nun für das Communication Management? Erstens wird mit dieser Perspektive ein bedeutend größeres Maß an Kreativität und Innovation bei der Planung und Steuerung neuer Kommunikationskanäle erforderlich. Zweitens macht die Perspektive klar, dass Kommunikation ungemein komplex ist und es sich oftmals empfiehlt diese nicht „steuern“ zu wollen, sondern ihr lediglich einen geeigneten Rahmen zu geben und sie dadurch anzuregen.

Um nun hierfür im Einzelfall die bestmöglichen Kanäle zu entwickeln und umzusetzen, schlage ich die Kreativitätstechnik der morphologischen Analyse vor. Bei dieser werden bestimmte Eigenschaftskategorien der Kommunikation mit möglichen Merkmalsausprägungen in einer Tabelle dargestellt (siehe auch meinen ersten Entwurf einer Morphologischen Kommunikationskanal Analyse unten). Nun sollte in einem ersten Schritt möglichst genau das Kommunikationsziel geklärt werden (auf mögliche Zielfindungsprozesse soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden). Hat man nun eine recht genaue Vorstellung davon, wozu Kommunikation betrieben werden soll, kann die MKA genutzt werden, um in kurzer Zeit eine Vielzahl an Kombinationen unterschiedlichster Merkmalsausprägungen zu erzeugen. Sicher bedingen sich bestimmte Merkmalsausprägungen gegenseitig. So wird eine wechselseitige Kommunikation eher mit einer exklusiven Zielgenauigkeit einhergehen, während das alleinige Medium Mensch nicht ausreichend für eine konkrete Botschaft sein könnte. Andererseits kann gerade das Spiel mit Merkmalsausprägungen die auf den ersten Blick nicht zueinander passen spannend sein: Ist es möglich eine zweiseitige Kommunikation zu betreiben, bei der ein hoher Streuungsverlust vorliegt und die sehr langsam, also Zeitversetzt abläuft? Schafft man es, eine wechselseitige Kommunikation über eine abstrakte Botschaft aufzubauen? Wie kann man durch regelmäßige Maßnahmen informelle Kommunikation anregen? Gerade solche Fragen sind es, die beim Entwickeln neuer Kommunikationsmaßnahmen und – kanäle unglaublich hilfreich sein können. Wenn erst einmal eine Vielzahl von Ideen entwickelt wurde, können diese evtl. kombiniert und auf das Wesentlichste reduziert werden – immer die zuvor ermittelte Zielsetzung im Hinterkopf.

Die hier vorgeschlagene MKA kann sicher nur als ein erster Entwurf betrachtet werden und wird im Laufe der Zeit weiter ausgebaut. Über Anregungen hierzu würde ich mich sehr freuen!

 

Morphologische Kommunikationskanal Analyse – Version 1.pdf

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