Buchempfehlung: „Soziale Netzwerke“ von Johannes Weyer (Hrsg.)

Heutzutage ist es schwer, nicht mit dem Thema Soziale Netzwerke in Berührung zu kommen. Egal ob in der Wirtschaft, der Politik oder während der ganz normalen Organisation des eigenen Alltags, Netzwerke scheinen überall zu sein. Deshalb (und auch aus Interesse an empirischen Methoden der Kommunikationsanalyse) habe ich mir das Buch „Soziale Netzwerke“ von Johannes Weyer (2. Auflage) angeschaut. Dieses ist meiner Meinung nach sehr empfehlenswert für jeden, der sich bisher noch nicht tiefgründig mit dem Thema der sozialen Netzwerkanalyse auseinander gesetzt hat und mehr über unsere „mobile Echtzeit-Gesellschaft“ erfahren möchte.

Der Sammelband, der in einem Großteil seiner Beiträge das „Bielefelder Profil der Techniksoziologie“ vertritt, gliedert sich in fünf Teile: einer Einleitung, einem Überblick über Methoden der Netzwerkforschung, einer Darstellungen verschiedener Formen von Interorganisations-Netzwerken (Strategische, Regionale, Policy- und Innovations-Netzwerke), einer Darstellung von Beziehungsnetzwerken im Internet, sowie theoretischen Perspektiven.

Aus meiner Sicht ist es dem Herausgeber in den ersten beiden Kapiteln (der Einleitung) sehr gut gelungen, das weite Feld der Netzwerkanalyse zu umreißen und seine Relevanz für das Individuum im Speziellen und der Soziologie im Allgemeinen aufzuzeigen. Suchmaschinen und Social Networks, die zu den neuen Gatekeepern einer „mobilen Echtzeit-Gesellschaft“ aufgestiegen sind, manipulative Tendenzen einer permanenten „Anomalieanalyse“ und eine zu erwartende Abschaffung des „freien Webs“ sind einige der vielen hochaktuellen Themen, die auf äußerst interessante Weise miteinander verknüpft werden.

Der Methodenteil stellt sowohl theoretische Kenngrößen vor, als auch Wege diese mit geeigneter Software zu berechnen und zu visualisieren (UCINET und NetLogo). Hier hätte ich mir zwar noch bedeutend mehr Expertenwissen gewünscht (zumal der Untertitel des Buches mit Konzepten und Methoden wirbt), da das Buch jedoch mehr an Allgemeinverständlichkeit orientiert zu sein scheint, sei dies an dieser Stelle noch mal verziehen.

Besonders spannend für mich waren gerade die abschließenden theoretischen Perspektiven, da sie zuerst die Akteur-Netzwerk-Theorie nach Callon und Latour knapp umreißen, um danach auf das Spannungsverhältnis zwischen der Netzwerktheorie und der Systemtheorie einzugehen. Themen die für das Verständnis unserer aktuell entstehenden Wissensgesellschaft nicht mehr ignoriert werden können und die es noch weiter zu vertiefen gilt.

Insgesamt ist das Buch sehr anschaulich geschrieben und liefert immer wieder interessante Praxisbeispiele. Auch wenn mich der dünne Methodenteil etwas schmerzt und an der ein oder anderen Stelle weitere Ausführungen wünschenswert gewesen wären, wurde meiner Meinung nach (nicht zuletzt durch ausführliche Literaturverzeichnisse am Ende der Kapitel) ein idealer Kompromiss zwischen Tiefgang und Verständlichkeit für Einsteiger in das Thema gefunden.

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