Inkompetenzkompensationskompetenz

inkompetenzkompensationkompetenzHeute bin ich mal wieder über das Wort Inkompetenz-kompensationskompetenz gestolpert und konnte nicht anders, als einen Post dazu zu verfassen. Nicht nur, dass das Wort herrlich verkopft nach Juristendeutsch klingt und dadurch schon seine eigene Bedeutung selbst suggeriert (ein Ass im Ärmel eines jeden Sitzungsschaumschlägers der nicht weiter weiß, ähnlich zu Klassikern wie internationale Benchmarkingfähigkeit,  proaktives Erwartungsmanagement oder Superkalifragilistischexpialigetisch), trifft das Wort aus meiner Sicht auch sehr gut, was wir im Kommunikationsmanagement gefühlt permanent machen müssen: auf die Krise reagieren, falsch abgestimmte Fakten einfangen, Fachwissen in verständliche Worte übersetzen oder einfach nur Texte korrigieren und Designvorgaben durchdrücken. Die Beispiele, in denen Probleme durch schlechte oder fehlende Kommunikation entstehen, scheinen kein Ende zu nehmen, die Auswüchse der Inkompetenz nie ausgeschöpft.

Doch ganz so schnell sollte die Problemlage nicht auf andere geschoben werden. Gerade die Kommunikation trägt mit oftmals zu dick aufgetragenem Zuckerguss, fehlenden Standardprozessen (wir wollen doch immer schön flexibel bleiben!) und immer noch allzu vielen Problemen in der eigenen Erfolgsmessung zu aneinander vorbei laufenden Wechselbeziehungen mit den eigenen Stakeholdergruppen bei.

Generell scheint es immer schwieriger, bei all der internen Spezialisierung und den vielen, sich permanent wandelnden Realitäten externer Anspruchsgruppen von Inkompetenz im klassischen Sinne zu sprechen. Letztendlich bleiben wahre Entscheidungen nicht entscheidbar und Handlungskompetenz ein effizientes Handeln, das “stabil-flexibel“ sein muss. Vermeintliche Inkompetenz von nicht anschlussfähigen Spezialisten hat es so gesehen schon immer gegeben und eine gewisse Flexibilität notwendig gemacht. Neu ist jedoch, dass die Verantwortung für Probleme immer seltener einer Expertengruppe zugewiesen werden kann, die dann die alleinige Deutungshoheit über die erforderliche Kompensation übernehmen kann. Vielmehr sollten sich alle auf eine ständig benötigte Kompensationskompetenz einstellen, um das Unentscheidbare möglichst schnell, kreativ und zielführend (d.h. risikominimierend) zu entscheiden.

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