Category Archives: Rezension

Buchempfehlung: „Soziale Netzwerke“ von Johannes Weyer (Hrsg.)

Heutzutage ist es schwer, nicht mit dem Thema Soziale Netzwerke in Berührung zu kommen. Egal ob in der Wirtschaft, der Politik oder während der ganz normalen Organisation des eigenen Alltags, Netzwerke scheinen überall zu sein. Deshalb (und auch aus Interesse an empirischen Methoden der Kommunikationsanalyse) habe ich mir das Buch „Soziale Netzwerke“ von Johannes Weyer (2. Auflage) angeschaut. Dieses ist meiner Meinung nach sehr empfehlenswert für jeden, der sich bisher noch nicht tiefgründig mit dem Thema der sozialen Netzwerkanalyse auseinander gesetzt hat und mehr über unsere „mobile Echtzeit-Gesellschaft“ erfahren möchte.

Der Sammelband, der in einem Großteil seiner Beiträge das „Bielefelder Profil der Techniksoziologie“ vertritt, gliedert sich in fünf Teile: einer Einleitung, einem Überblick über Methoden der Netzwerkforschung, einer Darstellungen verschiedener Formen von Interorganisations-Netzwerken (Strategische, Regionale, Policy- und Innovations-Netzwerke), einer Darstellung von Beziehungsnetzwerken im Internet, sowie theoretischen Perspektiven. Weiterlesen …

Das Wikipedia-Universum von Daniela Pscheida

Dieses Buch ist ein absoluter Glücksfall für alle, die an den Themen ‚Wissensgesellschaft‘, ‚soziokultureller Wandel durch neue Medien‘, sowie ‚Digitales Zeitalter‘ interessiert sind. Denn obwohl es sich bei dem Buch um eine wissenschaftliche Ausarbeitung handelt, ist es sehr flüssig zu lesen und überaus verständlich. Die Autorin formuliert klar und präzise, streut an den richtigen Stellen Zitate der Grundlagenwerke ein und verknüpft die verschiedenen Abschnitte sehr gekonnt, sodass der rote Faden nie verloren geht.

Das Anliegen der Autorin (deskriptiv nachzuzeichnen, „wie das Internet unsere Wissenskultur verändert“) ist nicht ohne eine ausführliche Darstellung des Ist-Zustandes zu stemmen. Dementsprechend widmet sie sich sehr ausführlich der Frage, wie unsere bisherige Wissenskultur seit der Erfindung des Buchdrucks entstanden ist und in welcher Form der Wissensgesellschaft wir momentan leben.
Das Wikipedia-Universum (in Anlehnung an Marshall McLuhans Ausdruck der Gutenberg-Galaxis) ist in sieben Kapitel unterteilt, deren Inhalt ich im Folgenden mit Fragen knapp umreißen will:
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Google Marketing von Susanne Rupp

Trotz des interessanten Themas war die Lektüre dieses Buches leider sehr enttäuschend, da sich 80 – 90% der Informationen ohne Probleme über das Internet finden lassen und der Inhalt künstlich aufgeblasen wird. Laut Buch handelt es sich bei der Zielgruppe um alle die eine Website richtig bekannt machen wollen und um „Macher (und solche, die es werden wollen)“. Das klingt gut und trifft auf jeden zu, der sich mit dem Thema Google Marketing auseinander setzt. Meiner Meinung nach richtet sich das Buch jedoch eher an digital immigrants, die lieber durch ein haptisches Leseerlebnis das Gefühl bekommen wollen, harte Fakten in den Händen zu halten. Für alle die sich noch mit Vorbehalt im Internet bewegen, die erklärt haben wollen, wie man ein AdWords-Account einrichtet und die einem digitalen Supportcenter von Google nicht trauen, ist dieses Buch sicher zu empfehlen. Für alle Macher eines Strategic Communication Managements jedoch (und solche, die es werden wollen) empfehle ich das Geld lieber in eine eigene kleine AdWords Kampagne zu investieren und reines „learning by doing“ zu betreiben.

Das Buch ist in fünf Teile geteilt und lässt sich wie gesagt sehr gut selbst mit Wikipedia und Googles Hilfeseiten erschließen. Im Folgenden liste ich alle dazu benötigten Links auf:
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Theorizing Communication von R. T. Craig und H. L. Muller

Was ist Kommunikation? Diese schlichte Frage findet sich in den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen wieder und ist dementsprechend vielfältig zu beantworten. Gerade dies macht die Theoriebildung einer einheitlichen Kommunikationswissenschaft geradezu unmöglich. Dennoch wagt Robert T. Craig in seinem Aufsatz „Communication Theory as a Field“ den Sprung, umreißt das komplexe Feld der Kommunikationstheorien mit sieben verschiedenen Traditionen (Rhetorical, Semiotic, Phenomenological, Cybernetic, Sociopsychological, Sociocultural und Critical Tradition) und fordert dazu auf, an einer umfassenden Kommunikationswissenschaft mit zubauen, die die verschiedenen Traditionen aufeinander bezieht.
An diesem höchst aufschlussreichen Aufsatz (der natürlich mit abgedruckt wurde) orientiert sich das komplette Buch und liefert zu jeder der sieben Strömungen kennzeichnende Primärtexte, denen jeweils knappe Zusammenfassungen, Fragen zur Vertiefung und Angaben zu weiterführender Literatur vorangestellt wurden. Die Spannbreite der Autoren reicht u.a. von Platon, Locke, Peirce und Saussure über Husserl, Watzlawick und Luhmann bis hin zu Marx, Horkheimer und Habermas. Vorneweg wird ein kurzer Überblick über Metatheorien und die historische Entwicklung der Kommunikation gegeben. So gesehen ist dieses Buch sehr theoretisch, sehr abstrakt und muss es auch sein. Als Zielgruppe sind „advanced undergraduate and graduate courses in communication theory“ angegeben, was auch ernst genommen werden sollte. Die vielen Metadiskurse über Kommunikation sind sicher schwere Kost und in einem Semester kaum gänzlich zu bewältigen. Hinzu kommt natürlich, dass das Buch auf Englisch ist, obwohl sich viele Texte in der Bibliothek auch in der deutschen Originalfassung finden lassen dürften.
Insgesamt handelt es sich um ein Grundlagenwerk, mit dem sich jeder auseinander setzen sollte, der den Begriff „Kommunikation“ wissenschaftlich behandelt. Erst durch die verschiedenen Traditionen und Craigs Erläuterung in welchem Verhältnis diese zueinander stehen, wird dem Leser bewusst, wie vielfältig Kommunikation in der Theorie eigentlich ist. Gerade dies ermöglicht es dann, Kommunikationsprozesse in der Praxis (egal ob Marketingkampagnen, Funktionsweisen diverser Medien, interkulturelle Kommunikation etc.) aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, tiefgreifender zu verstehen und besser anzuwenden.