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Die Bedeutung von Shared Awareness für Online-Kommunikation

Über das sehr interessante und empfehlenswerte Buch „Here comes everybody“ von Clay Shirky bin ich auf den Begriff der „Shared Awareness“ aufmerksam geworden. So simpel die Idee dahinter auch ist, so fundamental scheint sie mir für das Verständnis und den Umgang mit Social Media zu sein. Interessanterweise findet sich der Begriff bisher hauptsächlich im Zusammenhang mit militärischen und informationstechnologischen Überlegungen wieder (und weniger in Bezug auf Online-Kommunikation), weshalb ich ihn hier noch einmal kurz aufgreifen will:

Angenommen alle Kunden eines Telefonanbieters X sind sehr verärgert über die erbrachte Dienstleistung. Dann lassen sich drei wichtige Abstufungen im Selbstverständnis und dem Handlungsspielraum der Kunden unterscheiden:

  1. Alle Kunden wissen, dass X eine schlechte Leistung erbringt.
  2. Alle Kunden wissen, dass alle Kunden wissen, dass X eine schlechte Leistung erbringt.
  3. Alle Kunden wissen, dass alle Kunden wissen, dass alle Kunden wissen, dass X eine schlechte Leistung erbringt.

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Das Wikipedia-Universum von Daniela Pscheida

Dieses Buch ist ein absoluter Glücksfall für alle, die an den Themen ‚Wissensgesellschaft‘, ‚soziokultureller Wandel durch neue Medien‘, sowie ‚Digitales Zeitalter‘ interessiert sind. Denn obwohl es sich bei dem Buch um eine wissenschaftliche Ausarbeitung handelt, ist es sehr flüssig zu lesen und überaus verständlich. Die Autorin formuliert klar und präzise, streut an den richtigen Stellen Zitate der Grundlagenwerke ein und verknüpft die verschiedenen Abschnitte sehr gekonnt, sodass der rote Faden nie verloren geht.

Das Anliegen der Autorin (deskriptiv nachzuzeichnen, „wie das Internet unsere Wissenskultur verändert“) ist nicht ohne eine ausführliche Darstellung des Ist-Zustandes zu stemmen. Dementsprechend widmet sie sich sehr ausführlich der Frage, wie unsere bisherige Wissenskultur seit der Erfindung des Buchdrucks entstanden ist und in welcher Form der Wissensgesellschaft wir momentan leben.
Das Wikipedia-Universum (in Anlehnung an Marshall McLuhans Ausdruck der Gutenberg-Galaxis) ist in sieben Kapitel unterteilt, deren Inhalt ich im Folgenden mit Fragen knapp umreißen will:
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Theorizing Communication von R. T. Craig und H. L. Muller

Was ist Kommunikation? Diese schlichte Frage findet sich in den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen wieder und ist dementsprechend vielfältig zu beantworten. Gerade dies macht die Theoriebildung einer einheitlichen Kommunikationswissenschaft geradezu unmöglich. Dennoch wagt Robert T. Craig in seinem Aufsatz „Communication Theory as a Field“ den Sprung, umreißt das komplexe Feld der Kommunikationstheorien mit sieben verschiedenen Traditionen (Rhetorical, Semiotic, Phenomenological, Cybernetic, Sociopsychological, Sociocultural und Critical Tradition) und fordert dazu auf, an einer umfassenden Kommunikationswissenschaft mit zubauen, die die verschiedenen Traditionen aufeinander bezieht.
An diesem höchst aufschlussreichen Aufsatz (der natürlich mit abgedruckt wurde) orientiert sich das komplette Buch und liefert zu jeder der sieben Strömungen kennzeichnende Primärtexte, denen jeweils knappe Zusammenfassungen, Fragen zur Vertiefung und Angaben zu weiterführender Literatur vorangestellt wurden. Die Spannbreite der Autoren reicht u.a. von Platon, Locke, Peirce und Saussure über Husserl, Watzlawick und Luhmann bis hin zu Marx, Horkheimer und Habermas. Vorneweg wird ein kurzer Überblick über Metatheorien und die historische Entwicklung der Kommunikation gegeben. So gesehen ist dieses Buch sehr theoretisch, sehr abstrakt und muss es auch sein. Als Zielgruppe sind „advanced undergraduate and graduate courses in communication theory“ angegeben, was auch ernst genommen werden sollte. Die vielen Metadiskurse über Kommunikation sind sicher schwere Kost und in einem Semester kaum gänzlich zu bewältigen. Hinzu kommt natürlich, dass das Buch auf Englisch ist, obwohl sich viele Texte in der Bibliothek auch in der deutschen Originalfassung finden lassen dürften.
Insgesamt handelt es sich um ein Grundlagenwerk, mit dem sich jeder auseinander setzen sollte, der den Begriff „Kommunikation“ wissenschaftlich behandelt. Erst durch die verschiedenen Traditionen und Craigs Erläuterung in welchem Verhältnis diese zueinander stehen, wird dem Leser bewusst, wie vielfältig Kommunikation in der Theorie eigentlich ist. Gerade dies ermöglicht es dann, Kommunikationsprozesse in der Praxis (egal ob Marketingkampagnen, Funktionsweisen diverser Medien, interkulturelle Kommunikation etc.) aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, tiefgreifender zu verstehen und besser anzuwenden.

Was ist ein Communication Manager?

„Der elementare, Soziales als besondere Realität konstituierende Prozeß ist ein Kommunikationsprozeß.“ Dieser Satz von Niklas Luhmann bringt meines Erachtens eine unbestreitbare Tatsache auf den Punkt: Erst durch die Verständigung ist es uns möglich Bedeutungen zu antizipieren, Verhaltensmuster zu be- oder entkräften und mit einer Organisation (z.B. einem Unternehmen) auf eine geänderte Faktenlagen zu reagieren. Durch das Voranschreiten der Globalisierung, Arbeitsteilung und Individualisierung, sowie einer zunehmenden Vermischung von realen und digitalen Lebenswelten wird Kommunikation für jede Organisation an Wichtigkeit und Brisanz immer mehr zunehmen. Es drängt sich also die Frage auf, welchen Anforderungen Experten in diesem Bereich gerecht werden müssen und wie eine treffende Rollenbeschreibung eines Communication Managers auszusehen hat.
Dazu möchte ich drei unterschiedliche Blickwinkel auf die Realität eines Unternehmens festhalten.
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